GeZusammenfassung
02.05.07 – 21:35Ich war lange weg. Ich war 6 Monate von Lodz weg. Ich bin im November abgereist und machte mir ernste Gedanken, ob es sich lohnen würde, schon vor Weihnachten zurückzukehren. Die Prognosen waren “vier bis sechs Wochen”. Es waren dann “vier bis sechs Monate”. Ich war am Anfang höchst motiviert und nun kehre ich zurück und hoffe doch eher, dass die Zeit schnell vorbei geht.
In Berlin fand ein Wandel statt. Als ich im September meine Koffer (respektive Rucksäcke) packte, war ich fest entschlossen dieses Jahr in all seiner Vielfalt zu nehmen, Unglaubliches zu erleben und als ein anderer, besserer Mensch zurückzukehren. Ich habe meinen Eltern gesagt “Na mal schauen, ob ich zu Weihnachten nach Hause kommen. Vielleicht nicht. Ich besuche euch dann mal, wenn ihr im Juni in das Haus gezogen seit. Ich habe kein Problem damit, mein Zimmer nie wieder zu sehen”. In Wirklichkeit habe ich beim Abschied, als ich alleine das letzte Mal in der Wohnung stand, bitterlich geweint. All meine Zuversicht war gebremst von Angst, Zweifel und Wehmut.
Das habe ich dann alles überwunden, ich hatte mich in Lodz eingelebt, es lief gut, ich war irgendwie glücklich und plante meine nächsten Schritte. Dann kam das Pfeiffersche Drüsenfieber. Ich plante nur einen kurzem Heimurlaub, doch daraus wurde mehr Zeit.
Irgendwann hörte ich auf meine Rückfahrt zu planen und akzeptierte das offene Ende. Aus dem Credo “Ich will so schnell wie möglich nach Lodz zurück” wurde ein “Na wenns mir dann wieder gut geht, dann fahr ich zurück.” Dies führte zu Konflikten mit meinen Eltern und vor allem mit mir selber.
Ich hatte mich verpflichtet und konnte dieser Verpflichtung nicht mehr nachkommen. Ich war krank und es wurde von allen als gegeben akzeptiert; trotzdem hatte ich ein schlechtes Gewissen. Ich war “krank”, irgendwie, aber nicht so, dass man es mir ansah, nicht so, dass Leute auf mich zeigten und sagten “Der ist aber krank”. Regelmäßig kam die Frage “Fährst du eigentlich überhaupt noch mal nach Polen zurück?” und ich antwortete immer “Ja natürlich” aber eigentlich nagte diese Frage schon an mir.
Ein Ende war nicht abzusehen. Es ging besser, aber ein Stichtag, an dem ich wieder gesund sein würde, war nicht in Sicht. Ich arrangierte mich mit dem Leben. Bei ASF arbeitete ich im Büro ein bisschen, jeden Montag Abend ging es in die Sneak-Preview ins Kino und immer, wenn es ging, traf ich mich mit Anna. Dieser Status Quo war in Ordnung. Er funktionierte. Aber wie war ich krank? Ich konnte nur langsam laufen (mit der Zeit wurde ich schneller), ich konnte nur kurz stehen und viel sitzen (mit der Zeit kehrte sich das Verhältnis weiter um), ich schlief extrem lange (mittlerweile reicht weniger Nachtruhe) und manchmal musste ich einfach sagen “Ich kann nicht mehr, ich bin zu erschöpft”. Hätte ich das nicht alles auch in Polen machen können und nebenbei arbeiten? Ich ging in Clubs und Bars, besuchte Leute, ging in Parks und Einkaufen und fühlte mich immer ein bischen falsch dabei.
Irgendwann kam die Einladung für das Zwischenstands-Seminar der Polen-Freiwilligen in Wroclaw. Das Seminar markiert gleichzeitig “sechs Monate Krankheit” und somit das angeblich garantierte Ende des Drüsenfiebers. Länger hatte es (so meinten die Ärzte) noch keiner (bin ich was Besonderes?). Also gab ich meine Zugabe und lies es drauf ankommen.
Hier bin ich nun. Vor sechs Stunden bin in Wroclaw eingetroffen, habe mein bohemisch-hedonistisches Leben in Berlin gelassen und werde wohl ab dem 9.5. wieder arbeiten. Ich weiss nicht, ob das alles so richtig war und ist, aber nun heißt es für mich erstmal, nicht länger zurück sondern nach vorne schauen.
Ich werde gewissen voll Arbeiten, die (hoffentlich) letzten Ausläufer der Krankheit ausstehen und meinen Blick und Körper immer wieder nach hause schweifen lassen. Ich will zu Festivals fahren und den Sommer genießen. Ich will nicht, dass die Krankheit, meine Persönlichkeit verändert hat und wieder der aufgedrehte Partymaker sein. Ruhig sein, kann ich mein ganzes Leben noch.

3 Responses to “GeZusammenfassung”
wow, let me know when you’re already in Lodz. fotofestival is comming:)
By kas on May 4, 2007
hey bruderherz. schön das es dir bis jetz in wroclaw gut geht. ihc hoffe es bleibt dabei und du kannst dich so bald wie möglich wieder richtig in deine arbeit in lodz stürzen. ich fands im großen und ganzen nich shclimm das du hier warst. ich hab die zeit ein bissl genossen

aber ich auch froh als du wieder weg warst
bis die tage. gruß von deiner family, hdl
By Schwesterherz on May 5, 2007